Mit dem Elektrotransporter durch geschützte Natur: geht das überhaupt?

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Bisher sieht man Elektrotransporter in freier Wildbahn vor allem in Ballungszentren und Großstädten. Doch auch in tatsächlich geschützter Natur könnten sie bald zum Alltag gehören.

Klimaneutral und leise:  Elektrotransporter sind besser für die Natur

Bei der Diskussion um Elektromobilität geht es zumeist um Klimaschutz, Lärm und Abgasbelastung. Diese Faktoren machen sich besonders in der Großstadt und in Ballungsräumen bemerkbar, wo die häufig kritisierte „letzte Meile“ von Lieferanten durch Dieseltransporter und LKW besonders umweltschädlich zu Buche schlägt.

Nicht umsonst hat die Deutsche Post die Umstellung auf Elektrofahrzeuge in den letzten Jahren forciert – denn klimaneutral kann man nur werden, wenn die gesamte Lieferkette darauf ausgelegt ist. Andere Logistik-Riesen ziehen nach, um bei der Argumentation rund um den Umweltschutz nicht den Kürzeren zu ziehen. Doch nicht nur die Natur profitiert vom Einsatz der leisen und sauberen Elektroautos. Tatsächlich ergeben sich auf das Fahrzeugleben gesehen sogar wirtschaftliche Vorteile für die Betreiber.

Kommerziell genutzte Elektrotransporter fahren oft günstiger als Verbrenner

Im privaten Bereich ist die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen der Elektromobilität im Vergleich zum Verbrenner oft noch eine Rechnung, die nicht aufgeht. Hohe Anfangsinvestitionen und lange Amortisierungszeiten kollidieren trotz staatlicher Förderung mit der perfekten Alltagstauglichkeit von Verbrennerfahrzeugen. Für Gewerbetreibende sieht die Kalkulation allerdings etwas anders aus.

Im Gegensatz zu Privatfahrzeugen stehen elektrisch betriebene Transporter im kommerziellen Einsatz nicht die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum, sondern werden aktiv genutzt. Dadurch fällt der Verbrauchsvorteil gegenüber einem Benzin- oder Dieselmotor insbesondere auf Kurzstrecken in der Stadt schnell zugunsten des Elektrofahrzeugs aus.

Hinzu kommt, dass elektrische Fahrzeuge meist leichter sind und mehr Nutzlast transportieren können, weil schwere Komponenten wie Motor und Getriebe ganz anders konzipiert sind. Selbst die vergleichsweise schweren Batterien ändern daran bei Nutzfahrzeugen nur wenig.

Bisher sieht man Elektrotransporter in freier Wildbahn vor allem in Ballungszentren und Großstädten.( Foto: Shutterstock-_VanderWolf Images )

Bisher sieht man Elektrotransporter in freier Wildbahn vor allem in Ballungszentren und Großstädten.( Foto: Shutterstock-_VanderWolf Images )

Weniger Abnutzung und geringerer Wartungsaufwand

Der Verschleiß ist ebenfalls deutlich geringer, da Elektrofahrzeuge weniger Reibungsverluste bei Antriebskomponenten aufweisen und ihre Motoren und Getriebe durch Stop & Go auch längst nicht so sehr gestresst werden wie klassische Verbrennerfahrzeuge. Weniger bewegliche Teile bedeuten zudem längere Haltbarkeit und geringeren Wartungsaufwand, wodurch auf das gesamte Fahrzeugleben gesehen die Nutzung von Elektrotransportern durchaus Vorteile hat.

Ähnliches gilt für den stadtbezogenen Einsatz von Transportmitteln im ÖPNV. Neben großen Bussen finden sich immer häufiger auch elektrische Fahrzeuge im Dienste von Taxi-Unternehmen und Shuttle-Services, die das Angebot des ÖPNV im städtischen Gebiet ebenso wie im Umland deutlich verbessern können – und das, ohne die Natur zusätzlich zu belasten. Hinzu kommt eine bessere Planungssicherheit für Unternehmen, denn mit Elektrofahrzeugen ist die Einfahrt in Umweltzonen auch künftig problemlos möglich.

Wie sieht es mit der Reichweite beim Elektrotransporter aus?

In der Stadt ist die übliche Reichweite eines durchschnittlichen Elektrotransporters mit 100 bis 300 km bereits heute oft ausreichend. Gerade auf kurzen Strecken kommen in der Stadt an normalen Arbeitstagen nicht so viele Kilometer zusammen. Die Natur profitiert dabei ebenso vom sauberen und klimaneutralen Betrieb wie die Bürger, die vor Abgasen, Lärm und Feinstaub besser geschützt sind. Wirklich klimaneutral und sauber ist ein Elektrofahrzeug aber selbstverständlich nur dann, wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

In der Stadt ist die übliche Reichweite eines durchschnittlichen Elektrotransporters mit 100 bis 300 km bereits heute oft ausreichend. ( Foto: Shutterstock - Paceman )

In der Stadt ist die übliche Reichweite eines durchschnittlichen Elektrotransporters mit 100 bis 300 km bereits heute oft ausreichend. ( Foto: Shutterstock – Paceman )

Außerhalb der Stadt kommt es auf die Ladeinfrastruktur an

Wie sieht es in Sachen Reichweite aus, wenn man sich außerhalb der Stadt bewegt? Die Fortschritte bei der Batterietechnik haben in den letzten Jahren die neuen Generationen von Elektrotransportern auch für längere Strecken brauchbar gemacht. Doch für wirklich alltagstaugliche Einsätze können elektrische LKW und Elektrotransporter die Verbrenner bislang nur ergänzen und entlasten. Um sie tatsächlich langfristig zu ersetzen, ist insbesondere der Ausbau einer leistungsstarken Ladeinfrastruktur notwendig.

Vorteile von Elektrotransportern im Überblick:

  • Einsparungen bei Treibstoffkosten
  • bei Nutzung erneuerbarer Energien klimaneutraler Betrieb möglich
  • geringerer Wartungsaufwand
  • bessere Ausnutzung der Nutzlast durch geringeres Gesamtgewicht
  • Reichweite bereits heute in vielen Fällen ausreichend
  • bessere Klimabilanz der gesamten Fahrzeugflotte
  • staatliche Förderungen erleichtern die Anschaffung
  • kaum Lärm, keine Abgase
  • auch für den Einsatz in Naturschutzgebieten geeignet
  • sogar in Innenbereichen einsetzbar (z. B. in großen Messehallen, Flughäfen etc.)
  • können auch zukünftig in allen Umweltzonen fahren

Einsatz von Elektrotransportern in geschützter Natur?

Die meisten Menschen kennen bestimmte touristische Ziele, wo der Autoverkehr oder Verbrennungsmotoren insgesamt nicht erlaubt sind. Ob Nordseeinsel oder Luftkurort: der Betrieb lauter und Abgas ausstoßender Fahrzeuge ist in geschützter Natur weder gewünscht noch würde er den touristischen Zielen zugute kommen. Anders sieht es mit dem Elektrotransporter aus, denn der darf zumeist auch in geschützter Natur unterwegs sein.

Schließlich sind auch die Bewohner dieser Naturschutzgebiete auf tägliche Lieferungen, besseren ÖPNV und andere Angebote angewiesen. Das reicht von rein touristisch motivierten Spaßfahrzeugen wie Elektromotorrädern, mit denen man sogar in geschützter Natur das Gelände erkunden darf [Quelle: https://www.heise.de/autos/artikel/Klartext-Mit-der-Elektroenduro-im-Naturschutzgebiet-1872396.html?seite=all], über die alltägliche Lieferung von Lebensmitteln mit Elektrotransportern bis hin zum Transport von Urlaubsgästen, die ihr Verbrennerfahrzeug im Urlaub stehen lassen sollen, ohne auf Bequemlichkeit verzichten zu müssen.

Großes Potenzial für viele Anwendungsbereiche

Das Potenzial ist gewaltig – und die Frage der Reichweite ist in einem solchen Betriebsumfeld ebenfalls nachrangig, sofern die Ladeinfrastruktur entsprechend ausgebaut ist. Fachleute gehen davon aus, dass insbesondere dem elektrischen Transporter in der Stadt wie auf dem Land die Zukunft gehört – und das nicht nur, weil die Post auf dieses Antriebskonzept setzt. Beim Einsatz in der geschützten Natur fallen einem auch Forstwirtschaft oder Landwirtschaft ein.

Ist das Gelände eher schwierig, unwegsam, dann ist die Entfernung nicht ganz so weit ( Foto: Shutterstock-Miro Vrlik Photography )

Ist das Gelände eher schwierig, unwegsam, dann ist die Entfernung nicht ganz so weit ( Foto: Shutterstock-Miro Vrlik Photography )

Reichweite ist nicht alles

Hier kommt es etwas auf das Einsatzgebiet an, denn in schwierigem Gelände mit steilen Anstiegen oder matschigen Untergründen stoßen elektrisch betriebene Landmaschinen schnell an ihre Leistungsgrenzen – oder genauer gesagt, an die Grenze der Reichweite, die dann eher in Betriebsstunden als in Kilometern gemessen wird. Doch zum Transport von Personal, zum Befahren von Wegen, die von Verbrennern in geschützter Natur aufgrund der Gefahr von Verunreinigungen von Wasserschutzgebieten etc. eigentlich tabu sind, ist der elektrische Transporter eine gute Alternative.

Da er auch besonders leise arbeitet, werden Tiere und menschliche Bewohner kaum gestört. Kein Wunder, dass immer mehr Kommunen ihre für motorisierte Fahrzeuge eigentlich generell gesperrten Areale zunehmend für Autos, Zweiräder und Transporter mit Elektroantrieb freigeben.

Infrastruktur muss schneller ausgebaut werden

Gerade in abgelegenen Gebieten mit schlechter Ladeinfrastruktur besteht die größte Herausforderung meist in der Bereitstellung von Ladesäulen, deren Versorgungskabel im Naturschutzgebiet nur mit Zurückhaltung verlegt werden können.

Dennoch: Bei sorgfältiger Planung und Ausführung steht dem prinzipiellen Einsatz elektrisch getriebener Fahrzeuge in Naturschutzgebieten kaum etwas entgegen. Es ist Sache der Gesetzgeber auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, hier die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und bei Bedarf die entsprechenden Änderungen zeitnah vorzunehmen.

Tipps für Entscheider in Unternehmen:

  • Alle Kosten der Verbrenner sorgfältig aufschlüsseln und vergleichen
  • Staatliche Fördermittel für Elektromobilität nutzen.
  • Häufig sind Förderprogramme von Herstellern bzw. Stromanbietern verfügbar
  • Leistung und Reichweite beim Vergleich berücksichtigen
  • Steuervorteile für Elektrofahrzeuge nutzen
  • positives Klimaschutz-Image für die Firma berücksichtigen
Es überrascht angesichts der Einsparpotenziale kaum, dass es im Bereich der Nutzfahrzeuge bereits heute eine vergleichsweise große Auswahl an elektrisch betriebenen Transportern und Bussen gibt. ( Foto: Shutterstock- Jenson )

Es überrascht angesichts der Einsparpotenziale kaum, dass es im Bereich der Nutzfahrzeuge bereits heute eine vergleichsweise große Auswahl an elektrisch betriebenen Transportern und Bussen gibt. ( Foto: Shutterstock- Jenson )

Gibt es bereits marktreife Alternativen auf dem Markt für Elektrotransporter?

Es überrascht angesichts der Einsparpotenziale kaum, dass es im Bereich der Nutzfahrzeuge bereits heute eine vergleichsweise große Auswahl an elektrisch betriebenen Transportern und Bussen gibt.

Für LKW ist das Angebot derzeit noch geringer, was am ungünstigeren Nutzlast- und Reichweitenverhältnis liegt. Doch auch hier machen die Hersteller sukzessive Fortschritte. Alle großen Nutzfahrzeughersteller investieren in den Bau moderner Elektrofahrzeuge – und bei MAN schreitet die Entwicklung mit besonders großen Schritten voran.

Kostenbilanz spricht immer häufiger für Elektromobilität

Gerade im Transportersegment und im ÖPNV stehen bereits heute wirtschaftlich sinnvoll nutzbare und belastbare Alternativen zum Verbrennermotor zur Verfügung. Einsparungen bei Treibstoff, Wartungsaufwand und Steuern sind nur einige der Vorteile, die Unternehmer bedenken sollten.

Die Erschließung neuer Märkte in geschützter Natur, der klimaneutrale Betrieb der Fahrzeugflotte sowie positive Effekte auf die gesamte Wertschöpfungskette sollten bei der Entscheidung ebenfalls bedacht werden. [Quelle (besonders ab Seite 68): https://map.now-gmbh.de/sites/default/files/project_pdf/03EMK279_Metropol%20Region%20Elektromobilit%C3%A4tskonzept.pdf ]

Über den Autor

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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