Sanfter Tourismus: die Vorteile einfach erklärt, gute Beispiele aus Europa

Der Massentourismus hat längst Auswirkungen auf das Klima. Zeit, umzudenken und die Ressourcen zu schonen. Der sanfte Tourismus ist die Antwort und wird nicht nur in Europa, sondern mittlerweile weltweit vorangetrieben.

Klimaeffekte des Tourismus: Nachhaltiger Tourismus als Lösung?

Dass der Massentourismus Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in den Umweltdestinationen hat, ist unbestritten. Auch die Klimaeffekte sind nicht zu vernachlässigen, daher müssen Lösungen her, die sich in den letzten Jahren in Form des sanften Tourismus – auch nachhaltiger Tourismus genannt – gezeigt haben.

Interessant dabei ist, dass nicht nur die Touristen vielfach aus Deutschland kommen, sondern auch die Lösungen für verschiedene Probleme. So wird mittlerweile in vielen touristischen gebieten beispielsweise bei der Wasseraufbereitung auf die moderne Umwelttechnologie aus Deutschland gesetzt, um Ressourcen besser zu nutzen bzw. zu schonen.

Dass der Massentourismus Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in den Umweltdestinationen hat, ist unbestritten.  ( Foto: Shutterstock-_ Lichtwolke )

Dass der Massentourismus Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in den Umweltdestinationen hat, ist unbestritten. ( Foto: Shutterstock-_ Lichtwolke )

Massentourismus und seine Auswirkungen (Video)

Durch den touristischen Verkehr wird viel CO2 ausgestoßen, was maßgeblich am Klimawandel beteiligt ist. Reisen mit dem Auto und vor allem mit dem Schiff oder per Flugzeug sind besonders umweltschädlich.

Doch auch weitere Belastungen der Luft sind durch den Tourismus möglich, wie zum Beispiel durch Lagerfeuer, Kleinfeueranlagen, Feuerwerke und ähnliche Belustigungen für Besucher. Gerade durch Feuerwerke kann die Feinstaubbelastung sehr hoch sein.

Ein weiteres Problem ist das Wasser bzw. dessen Knappheit. Knapp die Hälfte aller Reisenden sucht im Urlaub die Nähe zu Fluss, Meer oder See, was mit einer entsprechenden Verschmutzung und Beeinträchtigung des jeweiligen Ökosystems einhergeht.

Außerdem wird durch Urlauber zu viel Wasser verbraucht, welches zuvor aufwendig aufbereitet oder mit Transportmitteln herangefahren werden musste. Einwohner des Landes und Touristen treten somit in Konkurrenz um das Wasser.

Video: „Hart aber fair“ (03.09. Full HD): Massentourismus und seine Folgen

Auch diese Probleme sind durch den Massentourismus möglich:

  • Hoher Flächenverbrauch

    Für touristische Anlagen werden viele Flächen benötigt, die Böden dafür versiegelt. Das wiederum stört den Abfluss des Regenwassers, es kommt zu häufigeren Überschwemmungen. Der Wasserhaushalt der Region wird gestört, durch versiegelte Flächen droht im Sommer eine Überhitzung.

  • Veränderungen der Landschaft

    Die traditionellen Landschaften werden durch den Tourismus verändert, es geht eher um schöne Ausblicke als um traditionelle Anblicke. Touristen sollen alle möglichen Annehmlichkeiten geboten bekommen, was mit dem Begradigen von Flächen, dem Installieren von Mülleimern etc. verbunden ist.

  • Verlust der Biodiversität

    Durch Wasser-, Luft- und Bodenveränderungen sowie weitere Probleme schwindet die Biodiversität in den touristisch genutzten Gebieten. Hierfür muss der sanfte Tourismus Lösungen finden.

  • Steigende Gesundheitsrisiken

    Durch Lärmemissionen, Luft- und Wasserverschmutzung treten verstärkt Probleme mit der Gesundheit auf. Außerdem werden durch Besucher aus fernen Ländern nicht selten Krankheiten eingeschleppt, denen indigene Völker nichts entgegenzusetzen haben.

Sanfter Tourismus soll ökologisch vertretbar sein, Mensch und Natur schützen, Traditionen und Kulturen bewahren. ( Foto: Shutterstock-Alex Stemmer )

Sanfter Tourismus soll ökologisch vertretbar sein, Mensch und Natur schützen, Traditionen und Kulturen bewahren. ( Foto: Shutterstock-Alex Stemmer )

Sanfter Tourismus: Vorteile und Nachteile für die Umwelt und für den Menschen (Video)

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus sind unbestritten, denn der Tourismus muss sich an die Veränderungen anpassen. Es gilt nun, die Umwelt zu schützen und dafür zu sorgen, dass ein nachhaltiger Tourismus durchgesetzt wird. Dieser hat allerdings nicht nur Vorteile.

Sanfter Tourismus: Positive Auswirkungen auf Mensch und Natur

Sanfter Tourismus soll ökologisch vertretbar sein, Mensch und Natur schützen, Traditionen und Kulturen bewahren. Es geht um den Schutz der Menschen ebenso wie um den Schutz der Natur, Verschmutzungen sollen reduziert und Treibhausgase verringert werden. Wasser soll besser genutzt werden, Abwasser wird aufbereitet.

Der sanfte Tourismus bewirkt, dass die Wirtschaft im jeweiligen Urlaubsland gestärkt wird, außerdem geht es um die Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen. Die Touristen profitieren davon, wenn Einheimische einen wirklichen Einblick in ihr tägliches Leben gewähren und nicht wie Sehenswürdigkeiten vorgeführt werden. Gleichzeitig wird das Verantwortungsbewusstsein all der Menschen erhöht, die mit der Organisation und Durchführung der touristischen Angebote betraut sind.

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Nachhaltiger Tourismus und seine negativen Auswirkungen

Der sanfte Tourismus hat nicht nur positive Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, sondern muss auch mit seinen negativen Seiten gesehen werden. Zum einen kann sich aus dem ökologischen Tourismus ein Massentourismus ergeben: Wenn die Besucher glauben, sie würden hier ein einzigartiges Ökosystem in seiner völligen Naturbelassenheit zu sehen bekommen, kann das ein Irrglaube sein: Es reisen einfach zu viele Menschen dorthin, um wirklich noch von einem natürlichen Umfeld zu sprechen.

Auch ein sanfter Tourismus braucht eine Anreise: Diese wiederum wird meist mit dem Flugzeug vorgenommen. Gerade weit entfernte Länder wie Thailand oder Costa Rica werden gern als ökologisch zu bereisen beworben. Leider wird dabei vergessen, dass die Anreise mit dem Flugzeug in Bezug auf Emissionen nicht gerade unbedenklich ist.

Wie geht sanfter Tourismus wirklich?

Sanfter Tourismus muss schon bei der Anreise beginnen, bei der sich die Menschen fragen sollten, wie es um die Schonung von Ressourcen, Umwelt und Gesellschaften bestellt ist.

Dabei gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kritische Stimmen, die wussten, dass der bisher bekannte Massentourismus negative Auswirkungen haben wird. Die reellen Überlegungen in Richtung sanfter Tourismus begannen aber erst vor rund 40 Jahren, als konkret nach Lösungen für ein qualitatives statt eines quantitativen Wachstums in der Tourismusbranche gesucht wurde.

Immer mehr Menschen wird klar, dass die Schönheit der Natur durch nichts zu ersetzen ist, Gesundheit für Mensch und Natur ist ein wertvolles Gut.  ( Foto: Shutterstock- alphaspirit.it)

Immer mehr Menschen wird klar, dass die Schönheit der Natur durch nichts zu ersetzen ist, Gesundheit für Mensch und Natur ist ein wertvolles Gut. ( Foto: Shutterstock- alphaspirit.it)

Ressourcenschonung vs. Profit

Die Auswirkungen des Tourismus auf das Klima liegen auf der Hand, doch die Schonung der Ressourcen lässt sich nicht mit dem Streben nach Gewinn vereinbaren.

Zumindest nicht auf den ersten Blick, denn wer genauer hinschaut, wird erkennen, dass eine Region, die geschont wird, deutlich länger attraktiv und damit auch profitabel bleiben wird.

Immer mehr Menschen wird klar, dass die Schönheit der Natur durch nichts zu ersetzen ist, Gesundheit für Mensch und Natur ist ein wertvolles Gut. Dieses Umdenken eröffnet neue Möglichkeiten zur Preisgestaltung, denn die Menschen sind bereit, für einzigartige Erlebnisse mehr zu bezahlen.

Der sanfte Tourismus zur Erhalt der Welt

Der sanfte Tourismus soll Ökosysteme erhalten: Statt Straßen, neuen Flughäfen und versiegelten Landschaften werden natürliche Ökosysteme erhalten oder wieder neu aufgebaut. Die auf den ersten Blick wenig lukrativen Angebote werden umso attraktiver für die verschiedenen Zielgruppen, je mehr diese zu Hause Stress und Hektik ausgesetzt sind.

Die Menschen haben zu Hause ein ökologisches Bewusstsein, verzichten auf das Auto und sparen Wasser. Sie müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass die gleichen Probleme wie daheim auch im Urlaubsgebiet vorhanden sind und müssen lediglich entsprechende Möglichkeiten zum Schutz von Natur, Umwelt und Kultur vor Ort geboten bekommen.

Ein nachhaltiger Tourismus kann zum Beispiel in den Alpen erlebt werden und hier in immer mehr Orten.  ( Foto: Shutterstock-Andrew Mayovskyy )

Ein nachhaltiger Tourismus kann zum Beispiel in den Alpen erlebt werden und hier in immer mehr Orten. ( Foto: Shutterstock-Andrew Mayovskyy )

Beispiele für Reiseziele: Sanfter Tourismus von seiner schönsten Seite (Video)

Ein nachhaltiger Tourismus kann zum Beispiel in den Alpen erlebt werden und hier in immer mehr Orten. Mehr als 100 Millionen Menschen besuchen die Alpen im Jahr, was negative Auswirkungen auf die Region verständlich macht. So haben viele Orte neue Wege gefunden, um die Umwelt und Natur zu schonen.

Der sanfte Tourismus hat Einzug gehalten:

  • Berchtesgaden

    Rund um den Königssee bieten sich herrliche Wanderstrecken, öffentliche Verkehrsmittel sind kostenfrei zu nutzen. Hier braucht niemand ein eigenes Auto! Außerdem werden E-Bike- und Segway-Touren angeboten

  • Weißensee

    Die Anreise erfolgt mit der Bahn, die natürliche Umgebung wird mit dem Mountainbike erkundet. Wer baden gehen will, hüpft in den See, Sportler können segeln oder im Winter Eis- und Langlaufen sowie Rodeln. Besonders lohnenswert sind hier Neukirchen, Hinterstoder und Werfenweng.

  • Arosa

    All inclusive ist auch möglich, wenn der sanfte Tourismus gepflegt wird. Das beste Beispiel dafür ist Arosa in der Schweiz. Die Anreise ist bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, mit dem Zug kommt der Gast bis nach Chur. Danach fährt die Rätische Bahn nach Arosa, wo schon die Skipisten warten. Wer ein Skiticket hat, nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei und braucht keinen Mietwagen.

  • Ratschings

    Mit der AktivCard, die vor Ort erworben werden kann, sind die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei zu nutzen. Es werden zahlreiche umweltfreundliche Aktivitäten geboten: Bergsteigen, Langlaufen, Wandern und Skifahren sind in Orten wie Mals, Limone Piemonte, Chamois La Magdeleine oder Forni di Sopra wunderbar möglich. Der sanfte Tourismus lässt auch dort grüßen!

Video: Nachhaltig reisen: Wie geht umweltbewusster Urlaub? || PULS Reportage

Häufig gestellte Fragen rund um den sanften Tourismus

Was versteht unter „sanfter Tourismus“?

Als sanfter Tourismus werden Angebote für Besucher eines Landes oder einer Region bezeichnet, bei denen alles im Einklang mit Mensch und Natur steht. Ökologie und Ökonomie sollen miteinander vereinbart werden, es geht um faire Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen in den Zielländern und um den Erhalt der Natur. Weniger Treibhausgase, weniger Wasserverbrauch, bewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen, dies sind die Leitlinien.

Was ist der Unterschied zwischen Massentourismus und sanftem Tourismus?

Der Massentourismus ist das Gegenteil des sanften Tourismus. Letzterer agiert nach den Maßstäben zur Sozial- und Umweltverträglichkeit, es steht nicht nur der Profit im Fokus.

Massentourismus hingegen setzt auf Quantität statt Qualität, schont weder Ressourcen noch sind faire Arbeitsbedingungen und der Schutz der Kulturen vor Ort relevant.

Indigene Völker werden vorgeführt und passen sich eher dem westlichen Lebensstil an, eigene Lebensstile gehen verloren. ( Foto: Shutterstock-Juliya Shangarey  )

Indigene Völker werden vorgeführt und passen sich eher dem westlichen Lebensstil an, eigene Lebensstile gehen verloren. ( Foto: Shutterstock-Juliya Shangarey )

Welche Ziele hat nachhaltiger Tourismus?

Nachhaltiger Tourismus hat folgende Ziele:

  • die Erhaltung der Natur
  • den geringen Ressourcenverbrauch
  • die Verbesserung der sozialen Arbeitsbedingungen
  • der Erhalt der Kultur der Menschen in den Urlaubsgebieten

Die Wertschöpfung soll dennoch möglichst hoch sein. Die Menschen in den Urlaubsgebieten sollen zudem über Angebote für Besucher mitentscheiden können.

Ist der Tourismus nachhaltig?

Tourismus ist nachhaltig, wenn er den

  • Schutz der Kulturen,
  • Schutz der Natur und
  • Schutz der Ressourcen

zum Maßstab hat. Ohne die Einhaltung bestimmter ökologischer Vorgaben ist Tourismus eher schädigend für die Menschen vor Ort sowie die Natur. Der übliche Massentourismus verfolgt kaum Konzepte, die den Schutz der Natur zum Ziel haben.

Welche Auswirkungen hat Tourismus auf die Gesellschaft?

Der Tourismus verändert die Gesellschaft und ihre Kulturen. Indigene Völker werden vorgeführt und passen sich eher dem westlichen Lebensstil an, eigene Lebensstile gehen verloren.

Oft steht der ökonomische Nutzen im Fokus, es geht eher um das Erreichen von Wohlstand und weniger um den Erhalt der eigenen Kultur. Durch Veränderungen des Klimas und der Umwelt verändert sich auch die Gesellschaft, sie passt sich auf die neuen Gegebenheiten an.

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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