Romantische Straße - made in Germany
Wenn in absehbarer Zeit in der innerkoreanischen Grenzregion der Tourismus aufblüht, dann hat Prof. Dr. Peter Jurczek, Inhaber der Professur Sozial- und Wirtschaftsgeographie der Technischen Universität Chemnitz, daran eine wichtige Aktie. Der Wissenschaftler, der seit fünf Jahren eng mit der Hanns-Seidel-Stiftung Seoul bei der Raumplanung in diesem Gebiet zusammenarbeitet, hatte den Aufbau einer "Romantischen Straße" nach deutschem Vorbild angeregt - und das mit Erfolg. Vor wenigen Tagen wurde in Gangneung am koreanischen Ostmeer die "Romantic Road of Korea" eröffnet. Sie führt auf einer Länge von 240 Kilometern von der innerkoreanischen Grenze im geteilten Landkreis Goseong bis in den Süden zum Seoraksan-Gebirge. Entlang der Strecke gibt es inmitten schöner Natur abseits der Hektik asiatischer Großstädte viel zu sehen: historische Tempel und Pavillons, Fischerdörfer und bizarre Felsformationen, die bis ins Meer hineinragen. Und herrliche Strände laden zum Baden ein. Ein Werbeverbund von sechs Städten und Landkreisen sowie der Gangwon-Provinz investiert 80,6 Milliarden Koreanische Won (etwa 45 Millionen Euro) in diese touristische Route. "Sie soll für die strukturschwache Grenzregion neue Einkommenschancen ermöglichen", sagt Jurczek.
"Die neue Romantische Straße von Korea profitiert vom reizvollen Nebeneinander von Gebirgen und der Küste. Bergwandern im Seoraksan, Tauchen im Ostmeer, Sushi "satt", Weinherstellung - all das war schon früher möglich. Nun gilt es, entlang der Romantischen Straße viele kultur- und naturräumliche Sehenswürdigkeiten an der Küste, im Gebirge, an Binnenseen sowie an historischen und religiösen Standorten zu verbinden", berichtet der Chemnitzer Sozial- und Wirtschaftsgeograph. Mit dem künftig zur Verfügung stehenden Etat könne beispielsweise eine Tourismusbörse personell und materiell ausgestattet, Rastplätze und Aussichtspunkte entlang der Strecke gebaut sowie die Werbung von der mehrsprachigen Ausschilderung über Werbeprospekte bis hin zur Teilnahme an Tourismusmessen im In- und Ausland finanziert werden.
Eingeflossen in die Konzeption der "Romantischen Straße" sind sowohl Erfahrungen aus Forschungsaktivitäten und praktischer Tourismusarbeit rund um die Romantische Straße in Deutschland - insbesondere in Franken - sowie im ehemaligen Grenzraum zwischen der BRD und der DDR. "Die Situation in der so genannten Demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea ähnelt der an der früheren innerdeutschen Grenze, wo auch militärische und politische Spannungen, wirtschaftliche und raumplanerische Probleme und Chancen im Naturschutz ausbalanciert werden mussten", berichtet Jurczek. Deshalb freut sich der Wissenschaftler auch über das in diesem Jahr begonnene grenzüberschreitende Projekt "Friedliche Nutzung der Grenzregionen um die Demilitarisierte Zone", wo sich Südkoreaner in Zusammenarbeit mit deutschen Experten um die nachhaltige Entwicklung dieser Grenzregion bemühen. Jurczek, der selbst oft nach Südkorea reiste und die Kooperation mit der Universität Incheon aufbaute, möchte sich auch künftig wissenschaftlich in die Weiterentwicklung der innerkoreanischen Grenzregion, insbesondere die der "Romantischen Straße" entlang des Ostmeeres einbringen. "Sie ist übrigens nach der gleichnamige Ferienstraße in Deutschland, Japan und Brasilien die vierte Romantische Straße der Welt", sagt Jurczek
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Chemnitz
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