"Natürliche" Kraft für den Autotank
Bei einer Innovationsschau am Nürburgring präsentierte TÜV Rheinland zusammen mit namhaften Herstellern die Leistungsfähigkeit von Erd- und Biogas im Fahrzeugeinsatz. In dieser Technologie sieht Professor Dr.-Ing. Jürgen Brauckmann, Vorstand TÜV Rheinland Mobilität, noch ein großes Entwicklungspotenzial: "Der hoch effiziente Brennstoff Methan, der in handelsüblichem Bio- und Erdgas mit einer Konzentration von bis zu 98 Prozent enthalten ist, wird angesichts seines enormen Potenzials als alternativer Treibstoff bisher zu wenig eingesetzt." Vor allem Biogas ist laut Brauckmann hervorragend geeignet, einen ökologischen und CO2-neutralen Individualverkehr ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen.
Die meisten deutschen und zahlreiche europäische Automobilhersteller haben mittlerweile CNG-Fahrzeuge (CNG = Compressed Natural Gas) im Programm. Auf der Innovationsschau von TÜV Rheinland zeigten sie zusammen mit Automobilzulieferern ihre aktuellen Modelle und Prototypen. Selbst bei Kompakt- und Mittelklassefahrzeugen kann durch die konsequente Auslegung von Motoren auf den natürlichen Alternativkraftstoff die CO2-Emission auf unter 120 Gramm pro Kilometer gesenkt werden. So stellte VW den aktuellen Passat 1,4 TSI Eco Fuel vor, der aus seinem Turbo aufgeladenen CNG-Motor 150 PS und 230 Nm Drehmoment produziert - bei nur 117 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer. Diese Leistung verleiht dem Passat fast schon die sportlichen Fahreigenschaften, über die der von MB-Tech vorgestellte Mercedes SLK-CNG zweifelsfrei verfügt. Der CNG-Umbau im SLK ermöglicht eine Leistung von 199 PS, womit der Prototyp in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt und eine Spitzengeschwindigkeit von 244 km/h erreicht. Demgegenüber stehen der eindrucksvolle Verbrauchswert von nur 5,6 Kilogramm CNG auf 100 Kilometer und ein CO2-Ausstoß, der mit 150 Gramm pro Kilometer auf dem Niveau aktueller Kleinwagen liegt.
Für Alois Decker, Leiter der Homologation des TÜV Rheinland-Standortes in Saarbrücken, beweisen Hersteller wie Opel, Mercedes, Fiat, Ford und der Volkswagenkonzern mit ihren Erdgasfahrzeugen, dass hohe Leistung und niedrige CO2-Emissionen vereinbar sind, wenn die technischen Potenziale des Methans in der Motorenkonstruktion optimal ausgeschöpft werden. "Und die europäischen Hersteller erbringen mit ihren Fahrzeugen den Beweis, dass sie den Flottenverbrauch ihrer Fahrzeuge auf unter 120 Gramm CO2 pro Kilometer senken können. Damit werden die durch die EU vorgegebenen und ab 2012 bis 2015 sukzessive einzuführenden Schadstoffgrenzen erfüllbar", betont Decker.
Diesel-Erdgas-Mischbetrieb senkt Emissionen um bis zu 40 Prozent
Nach Einschätzung von Prof. Brauckmann und Dr. Stefan Behrning, dem Leiter des Kompetenzzentrums für Gasantriebe von TÜV Rheinland in Saarbrücken, liegen die nächsten Innovationsschritte im Diesel-Erdgas-Mischbetrieb. Drei Hersteller zeigten bei der Veranstaltung am Nürburgring anhand von Prototypen, welche Potenziale gehoben werden könnten, falls diese Technologie in die Serienfertigung ginge. Zusammen mit Opel entwickelte das Saarbrücker Kompetenzzentrum für Gasantriebe einen auf dem 150 PS starken Zafira CDTI basierenden Zafira NGDI (Natural Gas Diesel Injection), der aktuell zu cirka 40 Prozent mit Diesel und zeitgleich mit 60 Prozent Erdgas angetrieben wird. "Hieraus ergibt sich eine CO2-Emissionsreduktion von cirka 16 Gramm auf nunmehr rund 140 Gramm pro Kilometer im Vergleich zum Serien-Diesel", erklärte Dr. Behrning. Mit diesem Mischungsverhältnis sei man aber noch lange nicht am Ende des Machbaren angekommen, so dass weitere Emissionssenkungen erwartet werden dürfen.
Auch beim Ausstoß von Rußpartikeln, gemessen vor dem Partikelfilter, schneidet das Konzept gut ab: "Wir haben eine Reduktion der Partikel-Emissionen um beinahe 40 Prozent und eine Verminderung des CO2-Austoßes um 10,5 Prozent realisiert", stellte der TÜV Rheinland-Experte fest. "Diese Technik ist quasi ab sofort einsetzbar und kann einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Feinstaubbelastungen durch Dieselfahrzeuge leisten." Auch Bosch arbeitet an dieser innovativen Technologie. Aktuell wird das auf einem BMW 320D basierenden Diesel-Gas-Auto noch finessiert, so dass noch keine Leistungs- und Emissionswerte vorliegen: Erwartet wird aber auch hier eine deutliche Reduktion der Abgase.
Das englische Unternehmen Hardstaff zeigte bei der Innovationsschau von TÜV Rheinland einen LKW mit Diesel-Erdgas Mischbetrieb, der gegenüber einem baugleichen und nur mit Diesel angetriebenen LKW etwa 10 Prozent weniger CO2 ausstößt.
Diesel-Erdgas-Mischantriebe können also den Ausstoß von Russpartikeln und CO2 deutlich senken. Bei NOx sind des weiteren 35 Prozent möglich. "Aus unserer Sicht ist es wünschenswert, wenn diese Technologie möglichst bald bei LKW und Bussen Anwendung findet", erklärte Alois Decker angesichts der aktuellen Entwicklungsergebnisse der gezeigten Prototypen.
Guinness-Weltrekord: Audi A4 B7 Quattro fährt 364,6 km/h mit Biogas
Welche Leistung Biogas im Tank bringt, zeigt der erfolgreiche Guinness World Records Weltrekord mit einem vom Autotuner Alfons Hohenester modifizierten Audi A4 B7 Quattro. Im April 2009 fuhr der mit Biogas angetriebene Bolide auf der Teststrecke im niedersächsischen Papenburg 364,6 km/h und übertraf damit den alten Weltrekord, der 1984 mit einem Bugatti aufgestellt wurde, um knapp 20 km/h.
Den Weltrekord hatte das Saarbrücker Kompetenzzentrum für Gasantriebe von TÜV Rheinland initiiert. Insgesamt ließen sich elf namhafte Unternehmen für die Umsetzung begeistern. Dr. Behrning erarbeitete mit seinem Team Konzept und Design der Technik. Die Versorgungs- und Verkehrsbetriebe Saarbrücken (VVS) übernahmen zusammen mit den Technikern von Autotuner Alfons Hohenester aus Gaimersheim bei Ingolstadt die Nachrüstung des Audi und die Optimierung der Gasanlage. Dr. Stefan Behrning wertete den Weltrekord als weiteren Beleg, dass Fahrspaß und Ökologie sich nicht ausschließen. "Dieser Rekord dokumentiert zugleich unser Know-how und die Kompetenz von TÜV Rheinland in Sachen Gas-Technologie und alternative Antriebe", betonte der Experte.
Die enorme Biogas-Leistung im A4 wurde durch den Einbau einer speziellen vollsequentiellen Gaseinspritzanlage mit besonders hohem Volumendurchsatz sowie durch die mechanische und elektronische Optimierung des Motors erreicht. "Das im Biogas genauso wie im Erdgas enthaltene Methan hat eine etwa um 40 Prozent höhere Klopffestigkeit als konventionelles Superbenzin", begründet der TÜV Rheinland-Experte die besondere Eignung von Methan im Automobil. Es lässt eine größere Verdichtung zu, was wiederum zu mehr Leistung und einem höheren Wirkungsgrad führt. Aufgrund seiner sauberen Verbrennung und großen Energiedichte ist es dem Superbenzin überlegen. "Der Weltrekord mit dem Audi soll zeigen, dass Biogas eine echte Alternative zu fossilen Brennstoffen ist", sagte Dr. Behrning beim Innovationstag auf dem Nürburgring. Die Zukunft der Mobilität wird in jedem Fall von alternativen Antriebskonzepten vorangebracht. TÜV Rheinland wird sich daher auch weiterhin für die Nutzung erneuerbarer Treibstoffarten auf Basis nachwachsender Rohstoffe engagieren, kündigte der Fachmann an. Der global tätige Prüfdienstleister mit Sitz in Köln ist seit Jahrzehnten in der Gas-Technologie im Kraftfahrtsektor engagiert und weltweit als kompetenter Partner und Zertifizierer von Anlagen und Fahrzeugen etabliert. Das Engagement reicht bis in die frühen 80-er-Jahre zurück, als im Kompetenzzentrum für Gasantriebe in Saarbrücken die ersten großen Projekte erfolgreich realisiert wurden.
Quelle: Pressemeldung TÜV Rheinland Holding Aktiengesellschaft
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