Finanzkrise wirft Schatten auf das rheinhessische Gastgewerbe
Das rheinhessische Gastgewerbe ist von der Finanzkrise stärker betroffen als alle anderen Zweige der gewerblichen Wirtschaft in der Region. Das weist die "Tourismusumfrage Winter 2008/09" unter 900 Betrieben aus Hotellerie und Gastronomie aus, die jetzt von der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen vorgelegt wurde.
Vor allem beim Umsatz spürt das Gastgewerbe Rückgänge - sowohl die Beherbergungsbetriebe als auch die Gastronomie. Der Hauptgeschäftsführer der IHK für Rheinhessen, Richard Patzke, wertet die Umfrageergebnisse: "Während Konsumforscher bundesweit noch kein Nachlassen der Konsumlaune feststellen, scheinen die Verbraucher ihre Ausgaben im Gastgewerbe- und Tourismusbereich aber schon drastisch gekürzt zu haben." Gerade in der Gastronomie würden viele Unternehmen zusätzlich die Regelungen des Nichtraucherschutzes für eine zunehmende Verunsicherung der Verbraucher verantwortlich machen.
Geschäftslage
In keinem anderen Zweig der gewerblichen Wirtschaft schätzen die Unternehmer ihre aktuelle Geschäftslage so schlecht ein wie im Gastgewerbe. Hier sprechen 41 Prozent von einer schlechten Lage. Ganze 48,1 Prozent beträgt dieser Umfragewert sogar bei den Betrieben des Reise- und Veranstaltungsmarktes. In der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage vom Mai 2009 sprachen 19 Prozent der Dienstleister, 22 Prozent der Handelsunternehmen und 32 Prozent der Industriebetriebe von einer schlechten Lage.
Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen jetzt die Unternehmen im Beherbergungsgewerbe und der Gastronomie insgesamt zu 42,6 Prozent (Winter 2007/08: 41,5 Prozent) als befriedigend und zu 16 Prozent (26,2 Prozent) als gut. Dabei sprechen die Hotelbetriebe zu 19,4 Prozent (31,5 Prozent) guten, zu 40,3 Prozent (41,1 Prozent) von einer befriedigenden und zu 40,3 Prozent (27,4 Prozent) von einer schlechten Geschäftslage. Diese Einschätzung wird ähnlich von den Gastronomen geteilt. Während 45,1 Prozent (32,1 Prozent) von einer befriedigenden Situation sprechen, beurteilen 40,7 Prozent (44,5 Prozent) ihre Lage als schlecht. Nur noch 14,2 Prozent (23,4 Prozent) sprechen von guten Geschäften.
Diese Einschätzungen basieren maßgeblich auf einem spürbaren Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. So klagten im Beherbergungsgewerbe 58,6 Prozent (Winter 2007/08: 41,1 Prozent) über geringere Umsätze. Lediglich 14,3 Prozent (19,2 Prozent) verbuchten gestiegenen Umsatz. In der Gastronomie müssen 60,9 Prozent (55,2 Prozent) der Unternehmen einen Rückgang verkraften und nur 6,4 Prozent (14,2 Prozent) verzeichnen einen Umsatzanstieg. Besonders auf die Catering-Branche schlägt die Konjunkturkrise durch: 87,5 Prozent (40 Prozent) der Unternehmen haben hier mit einer verschlechterten Umsatzlage zu kämpfen.
Nach wie vor zu wünschen lässt die Ertragslage im gesamten Gastgewerbe: 68,5 Prozent (Winter 2007/08: 62 Prozent) der Betriebe müssen mit einem Rückgang ihres Gewinns kämpfen; 24, 5 Prozent (25 Prozent) verzeichnen immerhin gleichbleibende Gewinne. Aber nur noch 7,1 Prozent (13 Prozent) freuen sich über steigende Erträge. Während Beherbergungsbetriebe zu 62 Prozent (68,2 Prozent) mit einem Rückgang des Gewinnes zu kämpfen haben, sind es bei Gastronomiebetrieben sogar 72 Prozent (68,2 Prozent).
Geschäftserwartungen
Vor diesem Hintergrund haben die Unternehmen in Rheinhessen ihre Erwartungen an die kommende Saison zurückgeschraubt. So gehen 48,1 Prozent (Winter 2007/08: 44,7 Prozent) der Betriebe von einer gleichbleibenden Situation aus, während 44,8 Prozent (35,6 Prozent) eine noch schlechtere Lage erwarten. Dem stehen lediglich 7,1 Prozent (19,7 Prozent) gegenüber, die mit einer positiven Geschäftsentwicklung rechnen. Während das Beherbergungsgewerbe zu 52,2 Prozent (51,4 Prozent) eine gleichbleibende Entwicklung voraussagt, rechnen die Unternehmen in der Gastronomie zu 44,6 Prozent (41,3 Prozent) mit einer stetigen Situation. Aber 38,8 Prozent (21,4 Prozent) der Beherbergungsbetriebe und 49,1 Prozent (42,8 Prozent) der Gastronomiebetriebe befürchten, dass sich die Geschäftslage in der kommenden Saison ungünstiger Entwickeln wird. Der Klimaindex für das Gastgewerbe, der sich aus der Geschäftslage der Vorjahressaison und den Erwartungen an die kommende Saison zusammensetzt, fällt von 85,9 im Winter 2007/08 auf nunmehr 68,1 Punkte.
Auf Basis dieser angespannten Ertragslage nehmen die Unternehmer auch ihre Investitionspläne zurück: 41,2 Prozent (Winter 2007/07: 40,9 Prozent) planen keine Investitionen, 22,6 Prozent (11,5 Prozent) lediglich geringfügige, 27,7, Prozent (26,9 Prozent) gehen von gleichbleibenden Investitionen aus und lediglich 8,5 Prozent (20,7 Prozent) von zunehmenden.
Weitgehend stabil bleibt dagegen die Personalplanung. Einen Personalabbau wollen 29,8 Prozent (Winter 2007/08: 26,2 Prozent) der Befragten nicht ausschließen, 67,3 Prozent (67,7 Prozent) rechnen mit einem gleichbleibenden Personalstand und 3 Prozent (6,2 Prozent) denken an Neueinstellungen.
Reisemarkt
Auch die Reisebüros und Reiseveranstalter zollen der Konjunkturkrise Tribut. Insgesamt sehen 48,1 Prozent (Winter 2007/08: 15,2 Prozent) der Unternehmen die Geschäftslage als schlecht an, 40,7 Prozent (60,6 Prozent) bewerten ihre Lage als befriedigend, nur noch 11,1 Prozent (24,2 Prozent) als gut. Der Klimaindex, der auf die Erwartungen der Branche für die kommende Saison schließen lässt, sinkt von 101,1 Punkten im Winter 2007/08 auf nunmehr 55,1 Punkte. Dennoch planen immerhin noch 69,2 Prozent (76,5 Prozent) der Unternehmer, ihre derzeitige Beschäftigtenzahl zu halten.
Quelle: Pressemeldung Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen
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